Page 100 - MKK Kulturpreisträger 25 Jahre Katalog
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1997Sugar Foot StompersHanauKulturpreisverleihung v.l.n.r.: Landrat Eyerkaufer, Werner Bayer, Günther Keim, Roland Schneider, Dr. Manfred Weiss, Barbara Rao-Karg, Manfred Lindner, Sigi Gerhard, Heidi Bär, Peter Wichert, Tom Hyatt.Der Sugar Foot Stomp kamaus Louisiana und basierte auf dem Rhythmus des Zerstampfens von Zuckerrohr mit den Füßen. Die Negersklaven entwickelten dazu ihre eigene Musik, später bildete der Sound die Grundlage für den gleichnamigen Song.In ihrer Verehrung für King Oliver und den Dixieland Jazz nann- ten die Pennäler, die sich 1957 auf der Hohen Landesschule zu einer Jazzband zusammentaten, ihre Formation „Sugar Foot Stompers“. Die Klassenkameraden Werner Bayer, Peter Wichert und der leider früh verstorbene Jörn Hasselbaum spielten Bass, Posaune und Klarinette, ihr erster Titel war „Mixed Pickles“ von Willy Berking.Aus dem Trio wurde schon nach kurzer Zeit ein Septett, alles Hola- ner und Mitglieder des klassischen Schulorchesters. Ihr Musiklehrer Heun – so erzählte Werner Bayer in einem FR-Zeitungsinterview – „hatte große Schwierigkeiten, die „Seitensprünge“ seiner Schützlinge zu verkraften.“Am 14. Januar 1958 gaben die „Sugar Foot Stompers“ in der Turn- halle der Schule ihr Debut, sie teil- ten sich den Event mit den „Blue Note Boys“, den „Lazy Daddies“ und der „Barrelhouse Jazz Band“, die damals noch die Hauskapelle der Frankfurter Leibniz-Schule war. Viele Musiker, die ehedem dabei waren, zählten danach zu den Größen der Jazz-Szene in Deutsch- land. Für die „Zuckerfüße“ folgten Auftritte in der örtlichen Polizei- sporthalle, im Amerika-Haus (heute das Olof-Palme-Haus) und im ersten Hanauer Jazzkeller, damals gelegen im Gewölbe unter dem Café Krück.Eine Zäsur ergab sich Anfang der 1960er Jahre, als sich einerseits der Musikgeschmack wandelte,die Beatles und Rolling Stones den Stomp mit elektronischem Sound übertönten und andererseits das Abitur die Schulzeit der Band- mitglieder beendete. Stattdessen rückten Militärdienst, Studium, Familien- und berufliche Existenz- gründungen in den Vordergrund der jungen Musiker. 1973 führte sie ein Polterabend wieder zusammen, das Revival währte zehn Jahre, die Band produzierte zwei Langspiel- platten und hatte viele Gigs in der neubelebten Jazz-Szene. „Dann war die Luft raus,“ resümierte Peter Wichert gegenüber der FR, „Werner und ich standen alleine da.“ Nach fünf Jahren Verschnaufpause trom- melten Wichert und Bayer die For- mation zum 30jährigen Jubiläumwieder zusammen, das war 1987. Bis zur Kulturpreisverleihung 1997 traten die Veteranen der „Sugar Foot Stompers“ bei Jazzfrühschoppen, Kneipenabenden, Jazzbällen und -konzerten, Riverboat-Shufflesauf, wurden auf der historischen Ronneburg zu Jazz-Rittern ge- schlagen, erhielten 1992 die Ehren- bürgerschaft der Stadt New Orleans und wurden 1994 zu Staff Officers des Gouverneurs von Louisiana ernannt. Musikreisen mit ihren Fans führten sie nicht nur in die USA, sondern sogar bis nach China.1997 – zu ihrem 40jährigen Bestehen – wurden sie mit der August-Gaul-Plakette der Stadt Hanau ausgezeichnet. Die Kultur- preisverleihung im selben Jahr beendete mal wieder einen der Zehn-Jahres-Zyklen im Auf und Ab der Bandgeschichte. Bei den Feier- lichkeiten präsentierten sich die Gründungsväter heillos zerstritten und verkündeten die Aufspaltung in unterschiedliche Formationen. Werner Bayer hat den Namen der Band übernommen und tritt unter diesem auch weiterhin auf, Peter Wicherts Abspaltung firmiert unter „Peter Wicherts New Orleans Connection“.Geehrt wurden für ihre glor- reiche Sugar-Foot-Stompers-Ver- gangenheit: Werner Bayer, Peter Wichert, Klaus Koop, Manfred Lindner, Roland Schneider und Mano Weiss.10025 JAHRE KULTURPREIS DES MAIN-KINZIG-KREISES