1998 mueller

1998 · Bildhauerei

Faxe Müller

Jossgrund 1963

www.faxe-mueller.de



Faxe Müller

Der Keil ist in Faxe Müllers Arbeiten ein immer wiederkehrendes Element. Er ist für ihn Sinnbild für den Kopf. Eine archaische, reduzierte Form, die schon in der afrikanischen Kultur, aber auch von den Kubisten genutzt wurde. "Seine Keilkörper erinnern an afrikanische Skulpturen," befand auch die Kunsthistorikerin und Künstlerin Barbara Rao-Karg anlässlich einer Ausstellungseröffnung von Faxe Müllers Objekten im Alten Rathaus von Marköbel-Hammersbach, "aber auch an bildhauerische Arbeiten von Picasso, Modigliani und Brancusi. Sie alle haben mit den formalen, das heißt mit äußeren Elementen fundamentaler, geometrischer Einheiten gearbeitet, wie sie in biologischen Modellen zu finden sind. Seine Arbeiten besetzen einen Raum, in dem sich Geometrie und lebendige Form erfolgreich treffen."

Seine bevorzugten Ausstellungsräume sind die Natur, wo seine Skulpturen der Witterung ausgesetzt sind und von ihr verändert werden. Der dadurch bedingte Zerfallsprozess ist einkalkuliert. Seine Arbeiten sind somit Zeitdokumente, die durch das verwendete Material und die Bearbeitung, die Farbgebung, den Arbeitsprozess, die Form, den Inhalt, die Zersetzung lesbar sind.

"Was bewegt einen jungen Mann, im Spessart, Skulpturen zu schaffen? Einem ganz "normalen" Leben Unregelmäßigkeit, finanzielle Unsicherheit, wenig gesellschaftliche Akzeptanz entgegenzusetzen?" fragt Landrat Eyerkaufer in seiner Laudatio zum Kulturpreis 1998. "Ich kann nicht anders. Ich muss mit Holz, mit Metall arbeiten, ausprobieren und experimentieren," antwortet der damals 35jährige Künstler, Ehemann und Vater von zwei kleinen Buben.

Faxe Müller stammt aus einer Arbeiterfamilie und hat fünf Geschwister. Nach der Schulzeit, die er im Joßgrund und in Bad Orb absolviert, macht er eine Lehre als Industriemechaniker. Er ist 15 Jahre alt, als er seine Ausbildung in Frankfurt antritt, mit seinem Bruder dort in einem Wohnheim lebt und lernt sich in das Großstadt- und Berufsleben zu integrieren. Nach der Lehre will er in den Adler-Werken weiterarbeiten, doch die Fabrik wird kurzfristig geschlossen. So kehrt Faxe Müller in das Kinzigtal zurück, verdingt sich als Schlosser in Gelnhausen und leistet in den anschließenden Jahren seinen Zivildienst ab. Danach will er sich gern zum Holzbildhauer ausbilden lassen, weil ihn der handwerkliche Umgang mit der Materie mehr und mehr interessiert.

Aber er bekommt keinen Ausbildungsplatz, weil er bereits zu alt ist, andere bezahlbare und in Frage kommende Schulen bescheinigen ihm, dass er mittlerweile ihr Abschlussniveau überschritten hat.

Faxe Müller beschließt 1984 als Autodidakt weiterzumachen und ein Self-made-Skulpturist zu werden. Zunächst arbeitet er naturalistisch, unter seinen Händen entsteht eine Büste von Mahatma Ghandi, die er an verschiedenen Orten präsentiert. Es folgen ab 1989 ganzfigurige große Holzplastiken, deren Formen er nach und nach reduziert und abstrahiert, bis sie zu Keilkörpern werden. Ab 1992 entstehen von Wind bewegte Skulpturen, nach 1993 kommen Stahlskulpturen hinzu, die nach dem Meilerbrand-Projekt während des Spessart-Kongresses 1995 auch mit Ton kombiniert werden.

Seine Arbeiten in Holz und Stahl sind 1995 im Kurpark von Bad Orb aufgestellt, sind 1998 im Historischen Rathaus von Marköbel zu sehen und faszinieren die Besucher der Kulturwoche 1999 im Schlosspark von Langenselbold.

Astrid Ludwig schreibt darüber in einer Zeitungsbesprechung: "Müller spielt mit dem Material, erzeugt durch Drehungen und konkave Wölbungen der Keile Licht und Schattenwirkungen, die das Objekt interessant machen. Er nutzt die Weichheit der Hölzer und kontrastiert sie mit scharfen Kanten. Dabei entstehen nicht nur massive Skulpturen, sondern durchaus auch filigran wirkende Kunstwerke (…) Geometrischer als seine Holzarbeiten sind die Stahlobjekte von Müller. Auch hier greift er die Keilform auf, erzielt jedoch ganz andere Wirkungen (…) Das weiche Braun des Holzes wird zu kaltem Grau, während die kühl glänzende Oberfläche des Stahls mit der Zeit von einem warmen rostroten Farbton gemildert wird."

Faxe Müller lebt seit 1997 wieder in Burgjoß in seinem Geburts- und Elternhaus. Er hat sich dort ein Atelier eingerichtet, das von Zeit zu Zeit zur traditionellen Schreiner-Werkstatt wird: denn trotz künstlerischer Anerkennung kommt Faxe Müller ohne einen Nebenberuf nicht aus.

Seine Ausstellungsliste wird indes immer länger. Er ist ein gefragter Künstler, der bei allen regionalen und überregionalen Ausstellungen vertreten ist. Dazu zählen 2000 eine Ausstellung im Hof des Brüder-Grimm-Hauses Steinau, das Projekt KUNSTRASEN, die Installationen "Lagerstätte II+III" mit Strohballen, Hanauer Kunst im Museum Hanau und 2001 der Skulpturengarten Meiningen und das Projekt "Götterlärm" im Rahmen des Kultursommers Main-Kinzig-Fulda in Gersfeld.