2014 bamberger

2014 • Musik

Vano Bamberger

Hanau 1965

Diebacher Weg 105 • 63452 Hanau

Tel. 06181-840235

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Vano Bamberger

Laudatio auf Vano Bamberger

Der Kulturpreis des Main-Kinzig-Kreises ist eine renommierte Auszeichnung und alljährlich gehen zahlreiche Vorschläge und Bewerbungen ein. Dabei kommt eine unglaubliche Vielfalt an kreativen Ideen und beeindruckenden Biografien auf den Tisch der Jury. Die Entscheidungsfindung ist nicht immer einfach, denn viele Kriterien, Interessen und Befindlichkeiten sind zu berücksichtigen.

Aufgrund der sorgfältigen und engagierten Arbeit der Jury ist es in den vergangenen Jahren gelungen, die unglaubliche Bandbreite der kulturellen Aktivitäten abzubilden und zu würdigen. Dennoch werden wir heute wohl einen neuen Aspekt aus dem großen Spektrum hinzufügen.

Es liegt zwar in der Natur der Kunst, dass wir sie nur schwer einordnen und katalogisieren können, doch es lassen sich zumindest Richtungen und Bereiche abstecken. Der Preisträger, über den ich jetzt sprechen möchte, kommt aus dem Bereich Musik. Und es ist nicht die Abteilung Klassik (oder ernste Musik), die wir hier schon mehrfach ausgezeichnet haben.

Heute geht es um – im weitesten Sinne – Unterhaltungsmusik. Unser diesjähriger Preisträger Vano Bamberger und seine Familie bewegen sich im Bereich des Jazz – und getreu ihrer Kultur im Sinti-Jazz. Und ich freue mich sehr, dass wir diese herausragenden Künstler heute Abend bei uns haben und auch erleben dürfen.

Im Frühjahr des vergangenen Jahres hat Vano Bamberger erstmals eine komplette CD mit seiner Gruppe eingespielt. Das Ergebnis ist ganz offensichtlich ein echter Leckerbissen des Sinti-Jazz, wie mir Fachleute bestätigen. Doch auch ich bin persönlich von dieser Musik begeistert.
Vano Bamberger ist im März 1965 in Hanau geboren und hier lebt er auch heute noch mit seiner Familie. Sein Sohn Donani und sein Bruder Terrangi sind zudem Mitglieder der fünfköpfigen Musikgruppe. Die Großfamilie ist tief verwurzelt in der Kultur des „fahrenden Volkes” und lebt nach dem Lebensrhythmus der Sinti. Intensive Emotionen wie Aufbruch, Wiedersehen, Abschied, Trauer und Freude finden sich in ihren Musikstücken.

Seit Generationen wird das virtuose und lebensnahe Gitarrenspiel überliefert und fortgeführt. Nach dem Motto „learning by doing” nähern sich schon die Jüngsten dem Instrument nur nach dem Gehör und gänzlich ohne Noten. Diese unkonventionelle Überlieferung entspricht ganz und gar dem Freiheitsgedanken und der Kreativität der Sinti.

Wer die Familie besucht, wird erkennen, wie tief der Wunsch nach Frieden, Freiheit und Gemeinschaft hier verwurzelt ist. Die Großfamilie hat dabei einen besonderen Stellenwert. Auch möchten sie ihr bewegtes Leben und ihr traditionelles Heim nicht tauschen mit einer gemauerten Wohnung. Und wer die authentische Musik hört, der kann auch dieses Anliegen ein Stück weit besser verstehen.

Vano Bamberger ist – wie viele seiner Musikfreunde – inspiriert und angetrieben vom großen Django Reinhardt, der weit über die Szene hinaus bekannt ist. Seine Stücke wurden immer wieder aufgesogen, verinnerlicht und vergöttert. So wirkte der französische Gitarrist, Komponist und Bandleader über die Schallplatte indirekt als großer Lehrmeister für unsere heutigen Preisträger. Zudem war Django Reinhardt ein Freund von Bambergers Großvater.

Dabei erfolgt der Zugang nicht über den Kopf oder den Verstand, sondern über Herz und Bauch. Und auch die Umsetzung basiert auf einem Lebensgefühl, einer Einstellung sowie Erfahrungen und Emotionen. Die Musik wird hier zu einem tiefen Bedürfnis, zu einer elementaren Ausdrucksform.

Somit haben wir es hier mit einem besonders wertvollen Kulturgut zu tun, das wir mit seiner Lebendigkeit und Faszination auszeichnen wollen. Denn Vano Bamberger hat es in seinem musikalischen Element zu besonderer Reife und Virtuosität gebracht. Er beschert einen Hörgenuss, der den ganzen Körper erfasst und ist damit nicht nur ein Botschafter eines Volkes, sondern auch seiner Heimat hier im Main-Kinzig-Kreis.

Mit seinen Mitspielern bildet er eine fast organische Einheit – das dürfen und müssen sie mir glauben. Denn leider kann er aufgrund einer Fingerverletzung heute nicht selbst aktiv mitwirken. Er selbst bedauert dieses Handicap vermutlich am allermeisten.

Die Gruppe gibt es sei 2008. Sie sind als Trio oder verstärkt durch Jerry Senfluk (Klarinette) und Antonin Sturma (Kontrabass) als Quintett schon an vielen Orten in Europa aufgetreten. Auch in Hanau kann man sie immer mal wieder erleben. Doch getreu ihrer Lebensweise lassen sie sich auch hier nur bedingt festlegen.

Auf der erwähnten CD handelt es sich bei den ersten sieben Stücken (von 13) um Kompositionen von Vano Bamberger. Den „Hafer und Bananen Blues” haben wir ja bereits als Auftakt gehört. Die Musik auf der CD erzählt von Gefühlen und Beziehungen. So ist ein Titel der Tochter „Senny” gewidmet. Stolz und Freude des Vaters sind hier deutlich hörbar. Das Repertoire reicht von Balladen über französische Volkstänze bis hin zum Swing. Bei ihren Auftritten bereichern immer wieder tolle Improvisationen und eine enorme Spielfreude das Programm.

Die Laudatio hielt
Susanne Simmler
Erste Kreisbeigeordnete
des Main-Kinzig-Kreises